Selbst wenn Ihr Steuerberater ein Experte auf dem Gebiet des Steuerstrafrechts und in Sachen Selbstanzeige ist, ist es – zumindest bei Dauersachverhalten – ratsam, die Möglichkeit einer strafbefreienden Selbstanzeige nicht mit ihm zu besprechen.

Soweit Steuerberater mit der umfassenden steuerlichen Beratung bevollmächtigt sind, sind sie – sobald sie von einer Steuerstraftat ihres Mandanten Kenntnis erlangen – verpflichtet, diesen auf die Möglichkeit einer strafbefreienden Selbstanzeige hinzuweisen. Unterlässt der Steuerberater dies, kann dies Schadensersatzansprüche auslösen. Eine Pflicht, den Mandanten zur Selbstanzeige zu bewegen, besteht nicht.

Weist der Steuerberater den Mandanten auf die Möglichkeit der strafbefreienden Selbstanzeige hin und entscheidet sich der Mandant aber gegen eine Selbstanzeige, so muss der Steuerberater sein Mandat niederlegen, wenn es sich um Dauersachverhalte handelt, die auch künftig verschwiegen werden sollen. Andernfalls macht sich der Steuerberater durch die Mitwirkung an künftigen Steuererklärungen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung strafbar.

In einem solchen Fall wird ein Mandant kaum ergebnisoffen mit seinem Steuerberater die Möglichkeit der Selbstanzeige besprechen können. Denn ein Steuerberater müsste sein Mandat umgehen niederlegen, wenn z.B. zwischen Mandant und Steuerberater die Möglichkeit der strafbefreienden Selbstanzeige wegen eines unversteuerten ausländischen Depots erörtert wurde und der Mandant sich gegen eine Selbstanzeige entscheidet. Will man eine solche Sachlage vermeiden, ist es deshalb ratsam, die Möglichkeit einer Selbstanzeige nicht mit seinem „Haussteuerberater“ zu besprechen.

Beziehen sich die unrichtigen oder unvollständigen Angaben hingegen ausschließlich auf die Vergangenheit, besteht hingegen keine rechtliche Verpflichtung des Steuerberaters, das Mandatsverhältnis zu beenden.