Diese Woche ging das Thema der Absetzbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer durch die Tagespresse. Grund war eine Entscheidung des Großen Senats des BFH. Wir erklären Ihnen, unter welchen Voraussetzungen Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich abgesetzt werden können.

Grundsätzlich sind nach dem Einkommensteuergesetz Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer (sowie die Kosten der Ausstattung) nicht steuerlich absetzbar.

Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Anderer Arbeitsplatz in diesem Sinne ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Wenn Ihr Arbeitsplatz grundsätzlich so beschaffen ist, dass Sie auf das häusliche Arbeitszimmer nicht angewiesen sind, können Sie die Aufwendungen für dieses nicht steuerlich geltend machen.

Steht also für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stellt sich zunächst die Frage, was überhaupt ein häusliches Arbeitszimmer in diesem Sinne ist.

Begriff des häuslichen Arbeitszimmers

Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre eingebunden ist, vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder -organisatorischer Arbeiten dient und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird (der Raum muss wie ein Büro eingerichtet sein); eine untergeordnete private Mitbenutzung (< 10 %) ist nach der Finanzverwaltung unschädlich. Es muss sich aber nicht zwingend um Arbeiten büromäßiger Art handeln; ein häusliches Arbeitszimmer kann auch bei geistiger, künstlerischer oder schriftstellerischer Betätigung gegeben sein.

Aktueller Hinweis: Aufwendungen für eine „Arbeitsecke“ in einem ansonsten privat genutzten Wohnraum können damit nicht prozentual als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten geltend gemacht werden. Denn derartige Räume dienen schon ihrer Art und ihrer Einrichtung nach erkennbar auch privaten Wohnzwecken. Dies hat der Große Senat des BFH in in dem eingangs erwähnten und am 28.1.2016 veröffentlichten Beschluss (v. 27.7.2015, GrS 1/14) entschieden.

In die häusliche Sphäre eingebunden ist ein als Arbeitszimmer genutzter Raum regelmäßig dann, wenn er zur privaten Wohnung oder zum Wohnhaus gehört. Dies betrifft nicht nur die Wohnräume, sondern ebenso Zubehörräume. So kann auch ein Raum, z. B. im Keller oder unter dem Dach (Mansarde) des Wohnhauses ein häusliches Arbeitszimmer sein, wenn die Räumlichkeiten aufgrund der unmittelbaren Nähe mit den privaten Wohnräumen als gemeinsame Wohneinheit verbunden sind.

Höhe der abziehbaren Aufwendungen

Liegt ein häusliches Arbeitszimmer vor und steht für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, können die Aufwendungen lediglich bis zu einem Betrag in Höhe von 1.250 EUR pro Veranlagungszeitraum steuerlich geltend gemacht werden.

Diese Beschränkung der Höhe nach gilt nur dann nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet. In diesem Fall sind die Aufwendungen in voller Höhe abziehbar.

Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung

Ein häusliches Arbeitszimmer ist der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung, wenn nach Würdigung des Gesamtbildes der Verhältnisse und der Tätigkeitsmerkmale dort diejenigen Handlungen vorgenommen und Leistungen erbracht werden, die für die konkret ausgeübte betriebliche oder berufliche Tätigkeit wesentlich und prägend sind. Der Tätigkeitsmittelpunkt bestimmt sich nach dem inhaltlichen (qualitativen) Schwerpunkt der betrieblichen und beruflichen Betätigung.

Dem zeitlichen (quantitativen) Umfang der Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers kommt im Rahmen dieser Würdigung lediglich eine indizielle Bedeutung zu.

Zuletzt stellt sich die Frage, welche Aufwendungen überhaupt abgezogen werden können.

Abzugsfähige Aufwendungen

Es sind grundsätzlich alle Aufwendungen abzugsfähig, die mit dem Arbeitszimmer in Zusammenhang stehen. Hierzu zählen sowohl die Raumkosten als auch die Aufwendungen für die Ausstattung bzw. Einrichtung des Arbeitszimmers.

Beispiele für die Raumkosten:

  • Miete bzw. Gebäude­AfA,
  • Schuldzinsen für Kredite zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur
  • Reinigungskosten
  • Energiekosten (Gas, Strom, Wasser, etc.),
  • Versicherungsbeiträge,
  • Umlagen und Müllgebühren,
  • Reparaturaufwendungen einschl. Schönheitsreparaturen sowie
  • Grundbesitzabgaben (z.B. Grundsteuer).

Sofern die Aufwendungen auf das gesamte Gebäude entfallen, ist der auf das Arbeitszimmer entfallende Anteil entsprechend dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche einschließlich des Arbeitszimmers zu ermitteln. Nicht zu den begünstigten Aufwendungen zählen Vergütungen, die an den Ehegatten für die Reinigung des Arbeitszimmers gezahlt werden.

Beispiele für die Einrichtung:

  • ­ Tapeten
  • Teppiche
  • Lampen
  • Vorhänge und Gardinen

Aufwendungen für Kunst­ und Luxusgegenstände (z.B. kostbare Teppiche, Gemälde etc.), die der Ausschmückung des Arbeitszimmers dienen, zählen nicht zu den begünstigten Aufwendungen, sondern sind als Kosten der privaten Lebensführung nicht abzugsfähig.

Hinweis: Aufwendungen für Arbeitsmittel (z.B. Schreibtisch, Regal etc.) unterliegen nicht den Abzugsbeschränkungen für häusliche Arbeitszimmer. Sie sind ggf. als Aufwendungen für Arbeitsmittel gesondert und unbeschränkt als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben zu berücksichtigen. Die Prüfung der Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für Arbeitsmittel ist unabhängig davon vorzunehmen, ob die Aufwendungen für das Arbeitszimmer berücksichtigt werden können.