Gestern hat der Bundesfinanzhof (BFH) ein Urteil veröffentlicht, das sich für alle sehr günstig auswirkt, die einen Dienstwagen haben und diesen nach der sog. 1 %-Methode versteuern. Denn nach dem BFH ist es neuerdings so, dass selbst getragene Kosten wie z.B. für das Tanken steuerlich zu berücksichtigen sind und die Einkommensteuer mindern.

Sachverhalt: Arbeitnehmer trägt teilweise die Kosten für den Dienstwagen selbst

Der steuerpflichtige Arbeitnehmer und sein Arbeitgeber haben die Kosten des Dienstwagens, den der Arbeitnehmer auch für private Zwecke nutzen durfte, geteilt. Der Arbeitnehmer trug sämtliche Kraftstoffkosten (ca. 5.600 EUR). Die übrigen PKW-Kosten übernahm der Arbeitgeber. Der geldwerte Vorteil aus der Kfz-Überlassung wurde nach der 1 %-Regelung berechnet und betrug ca. 6.300 EUR. Der Arbeitnehmer begehrte, die von ihm im Streitjahr getragenen Kraftstoffkosten als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit zu berücksichtigen. Das Finanzgericht Düsseldorf (FG) gab der Klage statt und setzte den Vorteil aus der Privatnutzung lediglich in Höhe von (6.300 EUR abzgl. 5.600 EUR =) 700 EUR fest.

BFH: Arbeitnehmer kann die individuellen Kosten für den Dienstwagen voll geltend machen

Der BFH hat die Vorinstanz im Ergebnis bestätigt. Wenn der Arbeitnehmer im Rahmen der privaten Nutzung einzelne (individuelle) Kosten (hier: Kraftstoffkosten) des betrieblichen PKW trägt, mindert dies den Wert des geldwerten Vorteils aus der Nutzungsüberlassung. Der Umstand, dass der geldwerte Vorteil aus der Kfz-Überlassung nach der 1 %-Regelung ermittelt worden ist, steht dem nach dem jetzt veröffentlichten Urteil nicht mehr entgegen. Der BFH war demgegenüber bislang davon ausgegangen, dass vom Arbeitnehmer selbst getragene Kfz-Kosten nicht steuerlich berücksichtigt werden können, wenn der Nutzungsvorteil pauschal nach der sog. 1 %-Regelung (anstelle der sog. Fahrtenbuchmethode) bemessen wird. Das Urteil stellt also eine Änderung der Rechtsprechung des BFH dar.

Es kann aber kein „geldwerter Nachteil“ entstehen

Allerdings kann der Wert des geldwerten Vorteils aus der Dienstwagenüberlassung durch Zuzahlungen des Arbeitnehmers lediglich bis zu einem Betrag von 0 EUR gemindert werden. Ein geldwerter Nachteil kann aus der Überlassung eines Dienstwagens zur Privatnutzung nicht entstehen, und zwar auch dann nicht, wenn die Eigenleistungen des Arbeitnehmers den Wert der privaten Dienstwagennutzung und der Nutzung des Fahrzeugs zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte übersteigen. Ein verbleibender „Restbetrag“ bleibt daher ohne steuerliche Auswirkungen. Er kann insbesondere nicht als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit abgezogen werden.

Fazit für alle Arbeitnehmer mit Dienstwagen, welche die 1%-Regelung anwenden

Der Gesetzgeber geht auch bei Anwendung der 1 %-Regelung davon aus, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen Vorteil als Arbeitslohn dadurch zuwendet, dass er ihm ein Kfz zur Privatnutzung zur Verfügung stellt und alle mit dem Kfz verbundenen Kosten trägt. Übernimmt stattdessen der Arbeitnehmer einzelne Kosten davon, kann er diese steuerlich geltend machen. Dies betrifft insbesondere die folgenden Kosten, die vom Arbeitnehmer getragen werden:

  • Treibstoffkosten („Tankkosten“)
  • Versicherungsbeiträge
  • Kosten für die Wartung
  • Kosten für Ölwechsel
  • Kosten für Waschanlage und Reinigung
  • etc.

Achten Sie darauf, dass Sie die entsprechenden Belege haben bzw. sammeln. Falls Sie keine Belege mehr haben, können ggf. die tatsächlichen Tankkosten durch Bank- oder Überweisungsbelege nachgewiesen werden. Denn: Eine vorteilsmindernde Berücksichtigung der von Ihnen selbst für den Dienstwagen getragenen Aufwendungen kommt nur in Betracht, wenn Sie den geltend gemachten PKW-bezogenen Aufwand im Einzelnen darlegen und belastbar nachweisen können.

Wenn Sie als Steuerpflichtiger diese Kosten geltend machen, achten Sie zudem darauf, dass Sie dies auch gegenüber dem Finanzamt kommunizieren. Sie müssen das Finanzamt darüber aufklären, dass Sie in Ihrer Steuererklärung so verfahren, da die Meinung der Finanzverwaltung im Moment von der Ansicht des BFH abweicht. Dies erfolgt z.B. in einem erläuternden Schreiben zur Steuererklärung.

Ist Ihr Steuerbescheid schon ergangen?

Dann legen Sie Einspruch ein, wenn die Einspruchsfrist noch nicht abgelaufen ist. Sollte die Einspruchsfrist abgelaufen sein, gucken Sie, ob der Bescheid „nach § 164 Abs. 1 AO unter dem Vorbehalt der Nachprüfung“ ergangen ist (dies würde ganz oben auf S. 1 Ihres Steuerbescheides stehen) – dann können Sie die Kosten auch geltend machen, wenn die Einspruchsfrist abgelaufen ist. Wenn alles nichts mehr hilft, ist eventuell an eine Haftung Ihres Steuerberaters zu denken.