Wenn weder ein Testament noch ein Erbvertrag existieren, richtet sich die Erbfolge nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB; sog. gesetzliche Erbfolge).

Das Wissen um die gesetzliche Erbfolge ist deshalb besonders wichtig, damit Sie entscheiden können, ob diese in Ihrem Fall zu gewünschten Konsequenzen führt. Mit der Kenntnis der gesetzlichen Erbfolge können Sie insbesondere entscheiden, ob und in welchem Umfang ein Testament erforderlich ist.

Die gesetzliche Erbfolge

Nach dem BGB erben grundsätzlich nur die Verwandten sowie der Ehepartner und der Lebenspartner (nach dem LPartG). Verwandte sind die Eltern sowie Personen, die gemeinsame Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, etc. haben (keine Verwandten in diesem Sinne sind deshalb z.B. Schwiegeremutter/-vater, Schwiegertocher/-sohn, Stiefmutter/-vater oder Stieftocher/-sohn, so dass diese auch keine gesetzlichen Erben sein können). Adoptivkinder stehen gemeinsamen Kindern von Ehegatten gleich. Diese sind ebenso gesetzliche Erben wie nichteheliche Kinder.

Gesetzliche Erbfolge nach verschiedenen Ordnungen

Nicht alle Verwandten sind in gleicher Weise erbberechtigt. Vielmehr werden Verwandte nach dem BGB in verschiedene Ordnungen eingeteilt, z.B.:

1. Ordnung
Gesetzliche Erben der 1. Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers sowie deren Kinder und Kindeskinder. Hier sind also die Kinder, die Enkel, die Urenkel, etc. des Erblassers einzuordnen.

2. Ordnung
Gesetzliche Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, d.h. die Geschwister und danach die Neffen/Nichten, Großneffen/Großnichten, etc.

3. Ordnung
Gesetzliche Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, d.h. Onkel/Tante und danach die Cousine/der Cousin, etc.

Schaubild Verwandtenerbrecht

Ganz wichtig ist, dass ein Verwandter nicht erbt, solange ein Verwandter einer vorhergehenden Ordnung vorhanden ist. Ist ein Verwandter 1. Ordnung vorhanden, erbt demnach kein Verwandter aus der 2. oder 3. Ordnung. Ist kein Verwandter 1. Ordnung vorhanden, jedoch ein Verwandter 2. Ordnung, erbt nicht ein Verwandter aus der 3. Ordnung.

  • Beispiel 1: Der Erblasser hinterlässt ein Kind und seinen Vater. Das Kind gehört zu den Verwandten der 1. Ordnung und schließt den Vater als Verwandten aus der 2. Ordnung von der Erbfolge aus. Erbe wird also das Kind. Der Vater erbt nichts.
  • Beispiel 2: Der Erblasser hinterlässt seine Mutter und seine Schwester. Beide gehören zu den Verwandten der 2. Ordnung. Da kein Erbe 1. Ordnung vorhanden ist, werden sie nicht von der Erbfolge ausgeschlossen. Folglich erben sie zu gleichen Teilen.

Des Weiteren ist zu beachten, dass ein zur Zeit des Erbfalls lebender Abkömmling (z.B. das Kind) die durch ihn mit dem Erblasser verwandten Abkömmlinge (z.B. ein Enkelkind) von der Erbfolge ausschließt.

  • Beispiel: Der Erblasser hatte einen Sohn und eine Tochter. Beide haben jeweils 2 Kinder. Die Tochter ist vorverstorben. Der Sohn schließt seine eigenen leiblichen Kinder von der Erbfolge aus. Anstelle der Tochter, die wie der Sohn 1/2 geerbt hätte, erben ihre Kinder zu jeweils 1/4.

Das Erbrecht des Ehegatten/Lebenspartners

War der Erblasser verheiratet oder verpartnert, erbt der Ehegatte/Lebenspartner neben dem bzw. den Verwandten. Die Höhe der Erbquote des Ehegatten/Lebenspartners richtet sich danach, wer noch als gesetzlicher Erbe vorhanden ist und welcher Güterstand vereinbart war:
Neben gesetzlichen Erben 1. Ordnung (also insbesondere den Kindern des Erblassers) erbt der überlebende Ehegatte/Lebenspartner grundsätzlich zu 1/4, neben Erben 2. Ordnung zu 1/2.

Dieser Erbteil erhöht sich um ein weiteres 1/4, wenn die Eheleute/Lebenspartner im Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt haben. Dies ist der gesetzliche Normalfall, der immer dann eintritt, wenn nicht ein anderer Güterstand per Ehevertrag vereinbart wurde. Im Falle einer Zugewinngemeinschaft würde also ein Ehegatte/Lebenspartner neben Verwandten 1. Ordnung (also insbesondere den Kindern) stets zu 1/2 erben.

  • Beispiel: Der Erblasser hinterlässt seinen Lebenspartner und 2 Kinder. Bestand zwischen den Partnern eine Zugewinngemeinschaft, erben der Lebenspartner zu 1/2 und die beiden Kinder die andere Hälfte zu gleichen Teilen, also zu jeweils 1/4.

Sind weder Verwandte der 1. oder der 2. Ordnung noch Großeltern vorhanden, so erhält der überlebende Ehegatte/Lebenspartner die ganze Erbschaft.

Das Erbrecht des Staates

Der Staat wird nur dann Erbe, wenn weder ein Verwandter noch der Ehegatte/Lebenspartner Erbe wird.